Was ist mit den Papierpreisen los?

Ein Interview mit Jörg Sensburg | Erster Vorsitzender Bundesverband des Deutschen Papiergroßhandels

Druckereien und ihre Kunden sind alarmiert durch die Entwicklung der Papierpreise seit Beginn des Jahres 2017. Da die Durchschnittserlöse für Printprodukte ohnehin seit Jahren rückläufi g sind, verschärft sich damit die wirtschaftliche Lage vieler Druckereien. Wir fragen Jörg Sensburg, den Co-Geschäftsführer des Branchenriesen IGEPA group und ersten Vorsitzenden des Bundesverbands des Deutschen Papiergroßhandels (BVdDPG):

 

m4u: Herr Sensburg, die Branche und ihre Kunden sind irritiert über die stetig steigenden Papierpreise. Was ist da passiert? Sind die Rohstoffe so teuer geworden?

JÖRG SENSBURG: Das liegt vor allem daran, dass die Weltwirtschaft mit dem nachwachsenden Rohstoff Zellulose heutzutage viel mehr anfangen kann als früher.  Dementsprechend wächst überall die Nachfrage, vor allem in den asiatischen Märkten. Und nicht nur der Zellstoff, sondern auch die zur Papierproduktion benötigte Energie und die Chemikalien steigen ständig im Preis, ebenso wie die Lohnkosten. Somit – und vor dem Hintergrund der sinkenden Nachfrage nach Papier – erhöht sich der Konsolidierungsdruck in der gesamten Wertschöpfungskette.
Diese Kostensteigerungen gibt es übrigens schon länger, aber früher konnten die Hersteller diese Entwicklung noch weitgehend aus ihren Margen abfedern.


m4u: Können Recyclingmaterialien den Preisdruck nicht wenigstens etwas mildern?

JÖRG SENSBURG: Nein, aufgrund höherer Komplexität in der Herstellung und hierdurch bedingter geringer Anzahl an Herstellern liegen die Preise für Recyclingmaterial in der Regel
sogar höher.

m4u: Papier ist nun mal schwer. Welche Rolle spielen die Transportkosten?


JÖRG SENSBURG: Die Bedeutung der Transport- und Logistikkosten steigt seit vielen Jahren. Die ständig wachsende Nachfrage nach Transportkapazität in der Gesamtwirtschaft,  die Verkehrssituation, das erforderliche Servicelevel der Druckindustrie, steigende Mauttarife, Treibstoffkosten und eine vergleichsweise hohe Personalintensität tragen zu dieser  Entwicklung bei. Wir rechnen auch hier auf absehbare Zeit nicht mit Entspannung der Lage.


m4u: Wie wird sich Ihrer Einschätzung nach der Papierpreis mittel- und langfristig entwickeln?


JÖRG SENSBURG: Wir können natürlich die Zukunft nicht vorhersagen, aber tendenziell gehen wir wie die meisten Marktbeobachter davon aus, dass sich die Papierpreise auf absehbare Zeit infolge der oben beschriebenen Entwicklungen noch weiter erhöhen werden.
 

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